Zeugnis übersetzen lassen: So gelingt die Anerkennung in Deutschland

Wer in Deutschland studieren, arbeiten oder eine Anerkennung beantragen möchte, stolpert früher oder später über dieselbe Frage: Muss ich mein Zeugnis übersetzen lassen, und wenn ja, von wem? Wer sein Zeugnis übersetzen lassen möchte, sollte die Anforderungen der zuständigen Stelle kennen, bevor er einen Auftrag erteilt. Das spart Geld und vor allem Wochen an Wartezeit.
Warum Behörden und Hochschulen eine Übersetzung verlangen
Ein ausländisches Zeugnis ist für eine deutsche Sachbearbeiterin zunächst ein Dokument in einer fremden Sprache mit unbekanntem Notensystem. Damit sie es bewerten kann, braucht sie eine Übersetzung, der sie vertrauen darf. Deshalb fordern Universitäten, Ausländerbehörden, Arbeitgeber und Anerkennungsstellen in den meisten Fällen eine beglaubigte Übersetzung. Sie bestätigt, dass der deutsche Text den Inhalt des Originals vollständig und richtig wiedergibt.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Übersetzung und Bewertung. Die Übersetzerin überträgt nur, was auf dem Dokument steht. Ob ein Abschluss einem deutschen Abschluss entspricht, entscheidet eine andere Stelle. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die Datenbank anabin der Kultusministerkonferenz, in der Sie nachsehen können, wie ausländische Hochschulen und Abschlüsse in Deutschland eingestuft werden.
Welche Zeugnisse und Unterlagen Sie meist übersetzen müssen
Je nach Ziel unterscheidet sich der Umfang. Für ein Studium sind es in der Regel das Abitur- oder Schulabschlusszeugnis, die Notenübersicht und gegebenenfalls ein Sprachzertifikat. Für ein Masterstudium kommen Bachelorurkunde und Transcript of Records dazu. Wer sich beruflich bewirbt, benötigt häufig Arbeitszeugnisse, Ausbildungsnachweise und Befähigungsurkunden.
Vergessen werden gern die Rückseiten und Anlagen. Stempel, Siegel, handschriftliche Vermerke und Notenskalen auf der Rückseite gehören zum Dokument und müssen mitübersetzt werden. Reichen Sie deshalb immer vollständige, gut lesbare Scans oder Kopien ein, damit nichts fehlt.
Beglaubigt, vereidigt, ermächtigt: Was ist gemeint?
Im Sprachgebrauch werden die Begriffe oft vermischt. Gemeint ist meist eine Übersetzung, die von einer öffentlich bestellten und allgemein beeidigten Übersetzerin oder einem ermächtigten Übersetzer angefertigt und mit Stempel, Unterschrift und Beglaubigungsvermerk versehen wird. Was eine Beglaubigung grundsätzlich bedeutet, lässt sich kompakt nachlesen, entscheidend für Sie ist aber die Frage, welche Form Ihre Stelle akzeptiert.
Klären Sie das vorab schriftlich. Manche Hochschulen akzeptieren auch die Beglaubigung durch eine Übersetzerin aus dem Heimatland, andere bestehen auf einer Übersetzung aus Deutschland. Ein kurzer Blick in die Hinweise zur Bewerbung erspart späteren Ärger. Einen guten Überblick über Ablauf und typische Stolpersteine finden Sie im Beitrag Zeugnis und Diplom übersetzen von PoliLingua.
So läuft die Bestellung Schritt für Schritt
Am Anfang steht die Anfrage mit Scans aller Seiten, der gewünschten Sprachkombination und dem Zweck der Übersetzung. Seriöse Büros geben darauf ein verbindliches Angebot ab, das Seitenzahl, Preis und Lieferzeit nennt. Prüfen Sie, ob Versand und Beglaubigung im Preis enthalten sind.
Nach der Beauftragung wird das Zeugnis übersetzt, formatiert und beglaubigt. Gute Übersetzer bilden das Layout des Originals nach, damit Stempel, Tabellen und Unterschriften an der richtigen Stelle erscheinen. Das erleichtert Behörden den Abgleich. Zum Schluss erhalten Sie die Übersetzung per Post im Original, häufig zusätzlich als PDF. Mehr als ein Exemplar zu bestellen lohnt sich, wenn Sie sich bei mehreren Hochschulen bewerben, denn Nachbestellungen kosten Zeit.
Kosten und Dauer realistisch einplanen
Die Preise richten sich nach Sprache, Umfang und Dringlichkeit. Gängige Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch sind günstiger als seltene Kombinationen. Ein einseitiges Zeugnis ist oft schon innerhalb weniger Tage fertig, umfangreiche Unterlagen mit Fächerübersichten brauchen länger. Planen Sie für Hochschulbewerbungen mindestens zwei bis drei Wochen Puffer ein, denn Fristen verzeihen selten Verzögerungen.
Seien Sie bei Pauschalangeboten kritisch, die weit unter dem Marktniveau liegen. Wenn eine Beglaubigung versprochen wird, ohne dass die Übersetzerin ihre Bestellung nachweisen kann, kann die Stelle das Dokument später ablehnen. Dann zahlen Sie doppelt.
Digitale Zeugnisse und Kopien: Was gilt?
Immer häufiger stellen Hochschulen im Ausland Zeugnisse nur noch als PDF mit digitalem Siegel aus. Fragen Sie in diesem Fall vorher nach, ob die deutsche Stelle eine Übersetzung der ausgedruckten Fassung akzeptiert oder eine Bestätigung der ausstellenden Einrichtung verlangt. Auch bei einfachen Kopien lohnt sich die Nachfrage, weil manche Behörden eine beglaubigte Kopie des Originals zusammen mit der Übersetzung sehen wollen.
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
Der häufigste Fehler ist, zuerst zu übersetzen und danach zu fragen, welche Form verlangt wird. Fast ebenso oft werden Namen uneinheitlich geschrieben. Übernehmen Sie die Schreibweise aus Ihrem Reisepass und teilen Sie sie der Übersetzerin mit, damit Zeugnis, Urkunden und Ausweis zusammenpassen. Auch Noten sorgen für Missverständnisse. Gute Übersetzer lassen die Originalnote stehen und erläutern bei Bedarf die Skala, anstatt sie eigenmächtig in deutsche Noten umzurechnen.
Prüfen Sie die fertige Übersetzung auf Tippfehler in Namen und Daten, bevor Sie sie einreichen. Ein falsch geschriebener Geburtsort kann bei Behörden zu Rückfragen führen. Wer sich unsicher ist, kann in Fachforen wie r/German auf Reddit Erfahrungen anderer Bewerber nachlesen, sollte aber im Zweifel immer die zuständige Stelle fragen.
Fazit
Ein Zeugnis übersetzen zu lassen ist kein Hexenwerk, wenn Sie die richtige Reihenfolge einhalten: Anforderungen klären, vollständige Unterlagen einreichen, auf eine ordnungsgemäße Beglaubigung achten und genug Zeit einplanen. Wer außerdem Hintergründe zum Thema sucht, findet im Ratgeber Zeugnisse im Ausland richtig übersetzen lassen weitere praktische Hinweise.